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Gezeichneter Rabe auf einem Ast vor dunklem Regen.

Krabat

Leseprobe · Digitale Lernwelten

Der gute sorbische Zauberer

Die sorbische Sage von Krabat ist weit über die Grenzen der Lausitz hinaus bekannt. Sie diente als Stoff für Bücher, ja sogar für einen Kinofilm. In diesem E-Learning-Modul tauchst du ein in die Welt Krabats, sein Leben und seine Heimat, die Oberlausitz. Außerdem lernst du das Buch „Meister Krabat“ von Měrćin Nowak-Njechorński kennen, das auf der Sage beruht.

Fach
Sorbisch
Klasse
5 und 6 · Gymnasium und Oberschule
Reihe
E-Learning-Module des Freistaats Sachsen
Umfang
3 Kapitel · in dieser Probe: Kapitel 1 und 3
Texte
Marcus Ventzke · Digitale Lernwelten GmbH
Lizenz
CC BY-NC-SA 4.0 · Digitale Lernwelten GmbH

Zu dieser Leseprobe

Die Probe zeigt, wie wir einen Sagenstoff für Zehn- bis Zwölfjährige erzählen und aufbereiten: die Sage selbst als Lese- und Hörtext, die Bildwelt des sorbischen Malers Měrćin Nowak-Njechorński und Aufgaben, die vom genauen Hinschauen bis zum eigenen Gestalten führen.

Texte und Aufgaben stammen aus den eLearning-Modulen für den Freistaat Sachsen (module-sachsen.dilewe.de). Die Übungen sind für diese Seite schlank nachgebaut, damit sie ohne Lernplattform laufen. Sie lassen sich hier ausprobieren. Die nummerierten Randmarken entsprechen den Elementen im Modul, auf die der Text verweist.

Weiße Linienzeichnung: ein Mann mit langen Haaren und Augenklappe vor dunklem Grund.

Kapitel 1

Die Krabat-Sage

Illustration: Digitale Lernwelten GmbH, CC BY-NC-SA 4.0

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Dass die Geschichte von Krabat ursprünglich eine Volkssage ist, weißt du bestimmt. Es gibt aber nicht nur eine, sondern viele verschiedene Versionen der Sage! Diese ähneln sich, wurden aber durch mündliches Weitererzählen immer wieder verändert. In diesem Kapitel wird die ursprüngliche Krabat-Sage aufgegriffen, die von Jurij Pilk niedergeschrieben wurde.

Hier kannst du sie dir anhören:

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Die Krabat-Sage · Hörfassung
00:00 / 05:21
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Die Krabat-Sage nach Jurij Pilk

Hier findest du die Krabat-Sage zum Nachlesen.

In Eutrich bei Königswartha lebte vor Hunderten von Jahren ein armer sorbischer Hirte. Er musste Gänse hüten und auch betteln. Bettelnd kam er eines Tages auch nach Schwarzkollm. Dort wirtschaftete in der Teufelsmühle ein im ganzen Land bekannter und gefürchteter Zauberer. Der Junge gefiel dem Müller und er fragte: „Würdest du bei mir bleiben wollen? Hier wird es dir nicht schlecht ergehen und viel lernen kannst du auch.“ Und Krabat blieb in der Mühle und wurde der zwölfte Müllerbursche des Müllers. Eigentlich lernten aber alle Burschen das schwarze Handwerk. Und jedes Mal, wenn ein Jahr sich dem Ende zuneigte, kam einer der Burschen ums Leben. Auch jetzt hatte der Müller nur elf Lehrlinge, und Krabat musste die Zahl wieder auf zwölf bringen.

Krabat war sehr begabt und hatte schnell das ganze Wissen des Müllers erlernt. Aber als sich das Jahr dem Ende zuneigte, wurde ihm bewusst, in welche Gefahr er sich begeben hatte. In großer Angst begann er zu überlegen, bis ihm endlich ein Gedanke kam. Er erbat sich vom Müller einige freie Tage und eilte nach Hause.

Dort weinte er bitterlich: Er wollte nicht so enden wie die Müllerburschen vor ihm und erklärte der Mutter seinen Plan. Sie müsse mit nach Schwarzkollm kommen und ihn freibitten. Der Zauberer würde alle Burschen in schwarze Raben verwandeln, die ihren Kopf nach links halten würden. „Ich selbst werde mich aber unter dem rechten Flügel rupfen. Daran erkennst du mich.“ Es geschah so, wie Krabat es beschrieben hatte. Als die Mutter vor den Raben stand, riet sie richtig und sprach mit fester Stimme: „Dieser ist mein Sohn!“ Der Schwarze Müller kochte vor Wut, musste Krabat aber freigeben. Und so ging der Junge glücklich mit seiner Mutter nach Hause, nach Eutrich. Im Gehen stahl er dem Schwarzen Müller noch sein Zauberbuch, den Koraktor.

Zu Hause aber fand Krabat wieder das alte Elend vor, denn es gab kein Geld und kaum zu essen. „Vater, so kann es nicht bleiben. Wenn ihr kein Geld auftreiben könnt, so werde ich es tun“, sagte Krabat. Und so kam es, dass der Vater bald darauf mit einem dicken Ochsen auf dem Wittichenauer Viehmarkt stand. Krabat hatte sich in das schwarze Ungetüm verwandelt. Der Vater verkaufte Krabat für gutes Geld und der Junge entkam dem Händler bald darauf wieder, indem er sich in eine Schwalbe verwandelte. Das gleiche Spiel trieben Vater und Sohn ein weiteres Mal. Krabat verwandelte sich in ein stolzes Pferd. Doch der Schwarze Müller hatte seinen einstigen Lehrling aufgespürt, kaufte dem Vater das Pferd ab und ritt wie von Sinnen davon.

Und so kam es, wie es kommen musste: Krabat musste gegen den Schwarzen Müller kämpfen, um ihm ein zweites Mal zu entkommen. Als der Müller sich in einen Hahn verwandelte, um Krabat in Gestalt eines Getreidekorns zu fressen, verwandelte sich dieser schnell in einen Fuchs. Er zerbiss den Hahn und gewann den Kampf. So fand der gefürchtete Müller aus der Teufelsmühle sein Ende.

Nach seinem Sieg über den Schwarzen Müller musste Krabat dem Kurfürsten von Sachsen dienen. Er zog aus in den Krieg gegen die Türken. Doch dem Gegner gelang es, den Fürsten selbst gefangen zu nehmen. Die Generäle waren ratlos: Was sollte man tun? „Gebt mir ein Pferd, schnell!“, rief da Krabat. Er schwang sich auf das Tier, erhob sich in die Lüfte und flog bis in das Lager der Türken. Er schaffte es, den Kurfürsten zu befreien, und verhalf ihm damit zum Sieg.

Als Belohnung für seine heldenhafte Rettung bekam Krabat das Gut in Groß Särchen geschenkt. Der Kurfürst und Krabat blieben befreundet und so flog der Zauberer regelmäßig in einer fliegenden Kutsche über Kamenz nach Dresden an den Hof.

Den Rest seines Lebens verwendete Krabat seine Wissenschaft zum Wohle der Bauern aus Groß Särchen und der Umgebung. Er machte die Felder der armen Landbevölkerung fruchtbar und verhinderte Unwetter. Als Krabat merkte, dass sein Leben sich dem Ende zuneigte, ließ er seine treuen Freunde zu sich kommen und sprach: „Wenn ich sterbe, schaut auf das Dach. Sitzt dort ein Rabe, dann ist das mein Verderben. Sitzt dort aber ein Schwan, so bin ich selig.“ Als Krabat starb, standen alle seine Untertanen vor dem Haus ihres geliebten Herrn und schauten hinauf. Auf dem Dach saß ein weißer Schwan.

4

Aufgabe

Oh nein, der Schwarze Müller hat die Müllerburschen in Raben verwandelt! Hilf, Krabat zu entdecken und ihn zu befreien!

Zwölf gezeichnete Raben sitzen in drei Reihen auf Ästen.

Tippe auf den Raben, der Krabat ist.

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Měrćin Nowak-Njechorński sitzt im weißen Kittel an einem Tisch und malt.
Měrćin Nowak-Njechorński um 1960.Foto: Serbski kulturny archiw / Sorbisches Kulturarchiv, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die wohl bekanntesten Bilder vom Zauberer Krabat malte Měrćin Nowak-Njechorński. In Element 6 siehst du eines davon.

Er malte aber auch die anderen sorbischen Sagengestalten. Wenn du dich näher mit ihnen beschäftigen möchtest, findest du sie im Exkurs-Element 7.

6

Die Sagenfigur Krabat

Hier siehst du, wie Krabat meistens dargestellt wird. Tippe auf die Punkte im Bild.

Gemälde: Krabat als alter Mann mit weißem Haar und Bart, langem hellen Mantel, Stiefeln und einem Buch in der Hand.
    7

    Exkurs: Sorbische Sagengestalten

    Aufgabe

    Sagengestalten haben häufig magische Fähigkeiten oder sind für bestimmte Tätigkeiten bekannt. Ordne ihnen das richtige Bild und eine Tätigkeit zu.

    Karte antippen, dann die passende Sagengestalt antippen. Am Computer kannst du die Karten auch ziehen.

    8

    Alle Volkssagen haben ganz bestimmte Merkmale, an denen man sie erkennen kann. Finde mithilfe von Element 9 heraus, welche das sind! Ziehe dazu den Punkt entlang der Linie.

    9

    Merkmale einer Volkssage

    Ohne AutorHistorischer HintergrundMenschen erklären sich die Natur
    10

    Aufgabe

    Monstro hat leider die Zauberformel für eine gute Volkssage vergessen. Kannst du ihm helfen? Wirf die richtigen Zutaten in den Zauberkessel!

    Zutat antippen, um sie in den Kessel zu werfen. Noch einmal antippen holt sie wieder heraus.

    Porträt von Měrćin Nowak-Njechorński mit Schirmmütze und runder Brille, grafisch bearbeitet.

    Kapitel 3

    Měrćin Nowak-Njechorński: Meister Krabat

    Porträt: Serbski kulturny archiw / Sorbisches Kulturarchiv, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    1

    In den ersten beiden Kapiteln hast du dich mit der Krabat-Sage und ihren Bezügen zur Realität beschäftigt. Jetzt soll es um das Werk „Meister Krabat“ von Měrćin Nowak-Njechorński gehen: Es ist eines der bekanntesten Bücher, die vom Zauberer Krabat erzählen, und basiert auf der Volkssage.

    3.1 Zum Inhalt des Buches

    2

    Aufgabe

    Wiederhole den Inhalt von „Meister Krabat“ in diesem Memory. Finde die passenden Bilder und erfahre, was Krabat im Buch erlebt.

    0 von 9 Paaren gefunden0 Züge

      3.2 Krabats Charakter

      3

      Der Zauberer Krabat hat übernatürliche Fähigkeiten: Er kann sich in Tiere verwandeln, eine ganze Truppe Soldaten herbeizaubern und sogar das Wetter beeinflussen. Krabat besitzt aber auch ganz menschliche Merkmale.

      Aufgabe

      Charakterisiere den Zauberer Krabat, indem du die passenden Eigenschaften anklickst.

      4

      Aufgabe

      Ordne den drei Szenen aus dem Buch je eine Charaktereigenschaft zu! Zwei Eigenschaften lassen sich nicht zuordnen.

      Hörszene 1
      Hörszene 2
      Hörszene 3
      armkluggerechtstolzmutig

      Im Modul hören die Schülerinnen und Schüler drei kurze Szenen aus dem Buch. Die Tonaufnahmen sind nicht Teil dieser Leseprobe.

      3.3 Ein Held, der alle rettet?

      5

      Aufgabe

      Krabat lebte im 17. Jahrhundert. Kreuze die Aussagen an, die auf diese Zeit zutreffen. Lies im Buch auf den Seiten 4 und 5 nach, falls du dir nicht sicher bist.

      6
      Ein junger Mann mit langen Locken und Lederkleidung steht in einem Kiefernwald.
      Helden brauchen nicht unbedingt ein Schwert und eine Rüstung.Foto: Daisa TJ, Pixabay-Lizenz

      Es wundert nicht, dass das Buch von Měrćin Nowak-Njechorński zu genau dieser Zeit spielt: Die Leute sehnten sich nach einem Helden, der alle rettet und das Leid beendet.

      7

      Aufgabe

      Die Figur Monstro mit Hut und Heugabel sagt in einer Sprechblase: Krabat ist ein Held aus dem Volk!

      8

      Am Ende des Buches, auf Seite 46, liegt der alte Krabat auf seinem Sterbebett und denkt an sein Leben zurück.

      9

      Aufgabe

      Krabat ist der Meinung, dass er viel zu wenig erreicht hat und mit seinem grenzenlosen Wissen noch viel mehr hätte bewirken können. Wie denkst du darüber? Begründe deine Meinung.

      10

      Trotzdem ist Krabat an der Situation nicht verzweifelt. Er war sich sicher, dass nach ihm mächtigere gute Menschen kommen,

      „die die Welt so verwandeln werden, dass sie sehr, sehr schön wird“ (Seite 47)

      Und das gibt ihm Hoffnung.

      11

      Aufgabe

      Stell dir vor, du bist einer dieser „mächtigen Menschen“, von denen Krabat spricht: Du hast die Möglichkeit, die Welt zu verändern. Entwirf ein eigenes magisches Zeichen. Du kannst es entweder malen und ein Foto davon hochladen oder du benutzt die vorgegebene Zeichenfläche.

      Zauberstäbe raus!

      Entwirf hier dein eigenes magisches Zeichen.

      Oder lade ein Foto deines gemalten Zeichens hoch.